Erwachen im Hafen

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Es ist früh.

 

Der Sonnenaufgang versteckt sich hinter einer dichten Wolkendecke

und taucht alles in ein merkwürdiges Licht.

Er sitzt an dem kleinen Sandstrand zwischen der Steinmole und dem ersten Steg.

In einer ungewöhnlich vertrauten Atmosphäre

saugt er die wohl bekannten Eindrücke des Hafens in sich auf.

 

Ein leichter Windzug weht über das Hafenbecken

und kräuselt die Wasseroberfläche in einem vertrauten Muster.

Der Wind schaukelt die Bote gleichmäßig hin und her.

Leinen klappern an den Masten.

Schwimmstege tauchen sanft auf und ab.

Die kleinen Fähnchen der Fischerboote flattern im Wind.

Kreischend fliegt eine Möwe durch den Hafen.

Vögel zwitschern.

Wellen rauschen donnernd in die aufgeschüttete Steinmole.

Ganz weit entfernt und doch sehr nah.

 

Erinnerungen seiner Zeit als Kind am Meer.

Text: Niklas Wohlt


Feuerland

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Es ist ein Sommerabend wie jeder andere.

Der Wind weht mir um die Ohren.

Ich steige in mein Auto und fahre los.

Nun gibt es kein zurück.

 

Sie wurde früh krank.

Spielplatz und Freunde die Ausnahme.

Krankenhaus die Regel.

Die Medikamente wurden immer teurer.

Es geht nicht mehr.

 

Ist das der richtige Weg?

Es gibt keine andere Lösung.

Sie braucht das Geld.

Egal wie.

 

Ich steige aus dem Auto.

Ich atme tief durch.

Ich trete die Tür auf.

Verzweiflung.


Ganz still

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages

scheinen vorsichtig durch die

hölzernen Fensterrahmen.

 

Ein warmes, gelbes Licht,

das die Tautropfen auf der Wiese vor dem Haus

zum Glitzern bringt.

 

Einige Sonnenstrahlen

dringen durch die gelben Gardinen

und tauchen die Backsteinwand des Zimmers

in eine gemütliche Färbung.

 

Ganz dicht liegen die beiden aneinander

und spüren die gegenseitige Wärme.

Es ist noch still im Haus.

Sie genießen die unendliche Ruhe,

bevor die anderen erwachen.

Ein kurzer Moment nur, und

doch wird er ein Leben lang

in Erinnerung bleiben.

Text: Niklas Wohlt


Lug ins Land

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Das waren sie,

seine letzten Erinnerungen.

 

Ein letztes Mal blickte er zurück.

Auf das, was gewesen war.

Doch,

er erkannt es nicht einmal wieder.

 

Und so wandte er sich ab.

Ging fort.

Folgte Flüssen.

Lief durch Wälder und Täler.

 

Und mit dem Herbst,

kam auch der Winter.

Die Vögel hörten zu zwitschern auf,

und ein tiefes Grau legte sich auf das Land.

 

Das Land.

 

Er war fort.

Text: Leon Ehmke


Regen

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Ich gehe heute spazieren!

Das habe ich mir fest vorgenommen!

Ich nehme jetzt meine Jacke und gehe vor die Tür!

Eigentlich hab ich ja doch keine Lust...

Egal...

Für das gute Gewissen.

Gleich bin ich draußen...

Geschafft! Es kann losgehen!

Das Wetter gefällt mir.

Es ist nicht zu kalt und  nicht zu warm

Gelassen gehe ich durch den Wald.

Ich beobachte die Natur, die Vögel in den Bäumen.

Ich genieße die frische Luft.

Plötzlich läuft mir ein Wildschwein über den Weg.

Nach einer kurzen Schrecksekunde setze ich meinen Weg durch das Unterholz fort.

Begeistert sauge ich jeder Geräusch, jede Bewegung und jeden Eindruck in mich auf.

Es kommt mir vor, als wäre ich noch nie woanders gewesen.

 

Mist, ausgerechnet jetzt fängt es an zu regnen.

Ich laufe immer weiter.

Langsam aber sicher wird mir kalt.

Im Regen sieht alles gleich ganz anders aus.

Jetzt donnert es auch noch.

Eine doofe Idee war das mit dem Spaziergang!

Jetzt bin ich klitsch nass.

Ich gehe lieber schneller, damit ich mich nicht erkälte!

Wie in einem Actionfilm fliegen funkelnde Regentropfen an mir vorbei.

Ich beschließe, noch schneller zu laufen, damit mir warm wird.

 

Ich beginne mich wieder wohl zu fühlen.

Nahe zu euphorisch renne ich durch die Dämmerung.

Es hat aufgehört zu regnen.

Erschöpft erreiche ich meine Haustür!

Oben angekommen wasche ich zunächst meine nassen Klamotten.

Jetzt setze ich mich mit einer heißen Tasse Kakao aufs Sofa.

 

Eigentlich war es doch ganz schön, mal wieder draußen in der Natur zu sein.

Draußen höre ich es erneut donnern, bis die letzten Regentropfen leise an meinem Fenster verklingen.


Der Trommler

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Der Regen prasselt sanft auf mich herab.

Ich hab es drinnen nicht mehr ausgehalten, meine Gedanken sind zu laut.

Die Lichter sind gedämpft, die Straße leer.

Nur in der Ferne hört man Motorgeräusche.

Ein Windstoß kommt auf, ich ziehe meine Arme näher um mich und die Kapuze weiter in mein Gesicht.

Ich stelle die Musik lauter, um die Welt um mich herum auszublenden.

„Was soll ich nur tun?“ hallt es in meinem Kopf.

„Es wird sich schon eine Lösung finden“ versuche ich mich selbst zu besänftigen.

Dieses ewige „vor mich her schieben“.

Langsam begegnen mir mehr Menschen, doch wenn ich aufschaue, sehe ich nur leere, trostlose Gesichter.

Immer wieder rasen die Gedanken durch meinen Kopf.

Fragen über die Zukunft; meine Zukunft.

Fragen über mich; wer bin ich wirklich?

Wer will ich sein?

Wo will ich sein?

All so was...

Doch ich weiß es nicht.

Ohne darüber nachzudenken, fange ich an zu laufen.

Ich weiß nicht einmal, wohin.

Hauptsache bewegen, sich aktiv fühlen, nicht nur passiv „da sein“.

Der Regen prasselt in mein Gesicht.

Mit einem Fuß lande ich mitten in einer Pfütze.

Ich werde langsamer, doch ich laufe weiter, über eine Straße.

Ich achte nicht einmal darauf, ob ein Auto kommt, Hauptsache laufen.

Vorwärts kommen, nicht auf einer Stelle bleiben oder sich im Kreis drehen.

Doch nach und nach muss ich die Geschwindigkeit verringern...

ich kriege kaum noch Luft...

„Versager!“ schreit es in meinem Kopf!

Tränen steigen in meine Augen; eine läuft mir über die Wange.

Jetzt ist es vorbei, ich habe meine Selbstbeherrschung verloren.

Meine Wangen sind feucht, doch nicht mehr nur vom Regen.

Ich balle meine Hände zu Fäusten und beruhige mich nach und nach...

Auf einmal... ein Blitz direkt gefolgt von einem Donner.

Ich bleibe in einem Eingang stehen und beruhige mich.

Als ich weiter gehen will, schaue ich direkt in zwei wunderschöne Augen.

Im Dunkeln sehen sie fast schwarz aus.

Sie zeigen eine unglaubliche Trauer, Verzweiflung... und Schmerz.

Doch gleichzeitig leuchten sie beinahe kindlich und irgendwie erwecken sie Vertrauen...

Und Hoffnung...

Vielleicht auf eine gute Zukunft.

Dieser Moment scheint nicht zu enden, und doch ist er nach wenigen Sekunden vorüber.

Ihr und mein Blick trennen sich und jeder gehen wieder seinen eigenen Weg...

Text: Tabea Lipinski


Wellen

Foto: Niklas Wohlt
Foto: Niklas Wohlt

Ihre brechenden Schaumkronen glitzern in der untergehenden Sonne. 

Das an Land fließende Wasser

legt sich wie ein goldener Teppich auf den Strand

und erstrahlt im Abendlicht. 

 

Immer wieder.

Wie ein unendliches Hörspiel. 

Die Wellen. 

 

Die zurück strömenden Wassermassen

reißen die Spuren der Vergangenheit mit sich. 

Hinaus in die unendliche Weite des Meeres. 

Ein Sog in die Ferne. 

Ins Abenteuer. 

Text: Niklas Wohlt